Sonntag, 22. Januar 2017

Kind des Sturmes

Hallo. Es ist Sonntagabend. Stille. Laute Stille. Ich drehe Musik auf. Frida Gold. Wir sind zuhaus. Ich reflektiere die letzten Wochen. Ich denke...denke...denke nach. Es ist jetzt Januar. Das Jahr ist drei Wochen alt. So jung und doch sind schon wieder einige Tage verstrichen. Ich habe viel geweint. War viel verzweifelt. Hab mich aufgelöst. Bis man mir sagte: Du hast keinen Grund zu weinen. Keinen Grund zur Panik. Alles wird gut. Ich klammere mich daran fest. An diesen drei Worten. An seinem "Ich liebe dich". Vergrabe mich in seinen Armen. Verliere mich in diesen blauen Augen. Er lacht. Honey. Ich sehe ihn. Sehe uns. Die Einweg Kamera. Der Auslöser klickt. Dieser Kuss festgehalten. Und wenn ich so daliege, dann ist alles gut. Dann kann ich mich fallen lassen. Ich falle in den Moment und fliege für einen Moment. Wenn alles kribbelt. Ich mach mich leicht. Ich halte dieses Gefühl fest. Für Momente wenn ich wieder down bin. Wenn die Depression wieder zuschlägt.

Und ich denke wieder an ihn. Irgendwie. Hallo Frenzel. Was willst du noch in meinem Kopf. Er schleicht sich in meine Träume. Menschen, die ich jahrelang nicht mehr gesehen haben tauchen auch, wie Geister aus der Vergangenheit und scheinen mich daran zu erinnern, was ist und was war. Ich halte gern am gestern fest. Lasse dennoch alle Türen für die Zukunft offen. Ich breite die Arme aus. Weit. Will schreien. Alles rauslassen. Doch ich bleibe still. Es ist ok. Es ist in Ordnung.

Versteht mich nicht falsch. Ich liebe ihn. Mit jeder Faser. Mit jedem Molekül. Jeder Zelle. Jeden Zentimeter. Vielleicht musste ich ihn gehen lassen, um Platz zu machen. Und trotzdem ist das Loch noch da. Alles ist verblasst. Das letzte Jahr. Wir haben wirklich geglaubt, wir könnten davon laufen. Vor unseren Gefühlen. Dieser Kuss. Fühlt sich jetzt ganz anders an. Viel größer. Hätte nie gedacht, dass solche Gefühle möglich sind. Hab immer gedacht, dass ich Liebe kenne. Aber jetzt hat sich dieser Begriff neu definiert. So viel mächtiger. Ich rede schon vom Mann meines Lebens. Von einem  FÜR IMMER . "Gibt es das?" frage ich ihn. Er nickt nur. Hält mich noch fester. Enger umschlungen. Ich habe niemals so viel Nähe zugelassen. Niemals erlaubt, dass mir ein Mensch so nahe kommt. So hinter die Fassade blicken darf, wie er es tut. Hab mich nie so verletzlich gezeigt. Ich habe noch nie einen Mann weinen sehen. Wir haben zusammen geweint. Weil das Glück uns übermannt hat. Ich kann nicht damit umgehen. Zu viele Emotionen. Zu instabil. Zu sentimental zu. Zu...

Die Musik ist aus. Tut auch gut. Stille ist mir immer unangenehm. Ich fühl mich in der Ruhe nicht wohl. Ich bin ein Kind des Sturmes. Ein Kind des Windes. Wo es tobt und bebt, gewittert und blitzt, da fühl ich mich wohl. Ich hab lange Angst im Dunkeln gehabt. Zünde immer Kerzen an. Lass immer ein Licht brennen. Bin nachts nicht gerne unterwegs. Obwohl ich viele Nächte durchgemacht habe.Viele durchtanzt habe. Lange wachgelegen bin. Eine ganze Nacht lang mit ihm. Reden über Paris. Über dies und jenes. Über ihn und mich. Träume. Wünsche. Vorstellungen. Illusionen. Hoffnungen. Erwartungen. Die großen und kleinen Dinge des Lebens.

Während ich das hier tippe, spielt mein Vater Klavier. Stay von Rihanna. Bleiben. Ich will, dass er für immer bleibt. Der Moment. Dieser Mensch. Dieser Tag. Forever is a long time. For now. Now is good. Gerade gut genug. Denke ich.

Habe aufgehört Tagebuch zu schreiben. Irgendwie gelingt es mir nicht mehr. Ich habe mich verändert. Bin in ständigem Wandel begriffen. Es ist Sonntagabend. Stille. Laute Stille. Die Tasten klicken unter meinen Fingern und mein Vater singt ein schiefes Lied. Er wiederholt einige Stellen des Stückes bis es zu seiner Zufriedenheit klingt.Wieder und wieder. Die gleiche Melodie. Melancholisch. Schwer. Moll. Das ist das Leben. Denke ich. Ein Wechsel von Dur und Moll. Genauso fühlt es sich an. Höhen und Tiefen. Bergauf und ab. Das ist gut. Das ist ok. Eine Achterbahnfahrt und ich steige ein. Jauchze. Fühle die Leere im Bauch, wenn wir bergab sausen und das Adrenalin durch meinen Körper pulsieren. Ich bin am Leben. Alive. Und ich will verdammt noch mal was aus diesem Leben machen. Ich atme ein und aus. Und denke wieder an Frida Gold. Wir sind zuhaus.

xoxo

eure Missmonroelove

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